Wir vermissen unsere alte Heimat. Ich bin müde vom Vermissen, weshalb ich überlege hinzufahren, um zu testen, ob ich es wirklich so vermisse. Vielleicht ist das nicht so schlau, weil ich das Vermissen gar nicht so sehr unter Kontrolle habe wie sich das anfühlt. Wird jedenfalls gemunkelt. Vielleicht vermisse ich aber auch, weil mir so vieles fehlt hier. Therapie, ein Freund*innenkreis, Gemeinschaft, eine Aufgabe. Von einer helfenden Person wurde mir gesagt, ich würde die Konditionierungen unterschätzen. I don’t know. Maybe. Aufstehen fällt an den meisten Tagen so schwer. Seit Monaten. Ich bin an einer Klinik angemeldet, aber weiß gar nicht wie die da mit der DIS umgehen, kann ja immer ein großer Reinfall sein oder auch das Gegenteil. Dauert aber sowieso noch. In die andere Klinik wollen wir nicht mehr, obwohl sie uns auch geholfen hat, aber Umstände haben sich geändert.
Manchmal würde ich gerne irgendwo ein Foto von mir/uns hochladen und die Diagnose und alles andere dazuschreiben. Dabei kann ich nicht mal überhaupt irgendwas aufschreiben, das irgendwie mehr über uns was aussagt, allein dieser Satz jetzt schon. Mir ist erst in der letzten Zeit aufgefallen, dass das irgendwie gesperrt ist. Also andere haben schon vor Jahren mal irgendwo aufgeschrieben, dass da irgendwas ist/war mit früher und anderen mit DIS und ich weiß, andere innen haben in sich dieses “es gibt keine DIS”, aber nicht zweifelmäßig, die könnten locker bei allen DIS-Leugnern mitsprechen und False-Memory kann ich mir nicht im Ansatz was zu durchlesen, da geht’s gleich los. Da ist irgendwas, das mich/uns so krass behindert etwas darüber zu schreiben oder zu sagen. Nicht in Therapie, da geht es. Vor der Diagnose war es ganz anders, da hab ich sogar viel geschrieben, weiß nicht wie es hier auf dem Blog ist. Soweit ich weiß geht das was geht nur, weil es so anonym wie möglich gehalten ist, trotzdem kann ich nie über das schreiben was ich mal gerne schreiben würde. In der Klinik haben wir immer versucht, dass wirklich niemand was mitbekommt, wenn andere Betroffene da offen mit der Diagnose umgehen weiß ich, dass andere innen panisch zur Pflege rennen und die davon überzeugen, dass diejenigen für uns, für sich selbst und die ganze Gruppe eine Gefahr sind. Selbst wenn sie nicht offen damit umgehen, wir aber von der Diagnose bei anderen wissen, ist erstmal Abwehr und Abneigung da, und ein Gefahrengefühl. Was auch schon komisch ist hier zu schreiben merke ich, weil mir schwindelig wird und ich unruhig werde. Dabei würde es zu mehr Freiheit führen und vor allem auch der Möglichkeit der Verbindung, die wir uns sehr wünschen. Wenn da nicht ständig dieses nicht greifbare und auch nicht verständliche “alles was mit DIS zu tun hat: bitte meiden und am besten noch verachten” rumwabern würde. Als dürfte es das nicht geben. Nicht bei uns, nicht bei anderen. Und wir dürfen mit “solchen Leuten” sowieso nichts zu tun haben, und irgendwie ist dazu ja noch dieses Konkurrenz-Leben-Tod-Ding gepaart mit Narzissmus, da wurde mal was zu aufgeschrieben. Irgendwo im Hintergrund warten Flashbacks oder eine Armee von Verbietern oder beides, kann das fühlen. Wäre also mal lohnenswert da hinzusehen. Kann von Kleinen Traurigkeit um ihre Freund*innen fühlen bei dem Thema. I don’t know. Dann schreib ich sowas auf und weiß nicht was ich jetzt weitermachen soll. ‘soll es nicht wissen?’, Gedanke, der reinkommt.
Hinsetzen, hinsehen, Kontakt aufnehmen, ins Gespräch gehen innen. In einen Austausch gehen, in Verbindung. So einfach und so schwer zugleich. Wenn wir versuchen in Kontakt miteinander zu gehen, werden wir oft so müde, dass wir nicht anders können als zu schlafen oder wie in Trance kurz vorm Einschlafen dazusitzen (findet jemand nicht gut, dass ich das schreibe, was ja irgendwie paradox ist, weil das auch ein Kontakt ist, dass ich das fühle). Manchmal klappt es besser, wenn wir nebenbei etwas machen. Ein richtiger Austausch ist mega selten, die meisten von uns (glaube ich, weiß es aber eigentlich gar nicht, oh man) hören auch keine Stimmen der anderen, deshalb dachte ich am Anfang immer, die Diagnose stimmt auf keinen Fall, weil immer als typisches Symptom benannt war/ist, dass es so laut im Kopf ist. Bei vielen von uns ist es eher ruhig oder anders unruhig mal, jedenfalls nicht dieses “kann meine Gedanken nicht hören, weil Leute in meinem Kopf diskutieren”.
All that I know – so fckng tired of hiding and not being allowed to exist. Also meist fühlt es sich nicht so an, hab es jetzt nur erst gemerkt (im Grunde genommen schon lange, nur dann immer weggeschoben), dass das sozusagen einfach in unserer DNA ist, so fühlt sich das eher an, so dass wir eben einfach so sind, nicht nach verboten oder überhaupt erwähnenswert oder überhaupt bemerkenswert, ich verhaspel mich jetzt hier total. Als wäre unser ganzes Sein darauf ausgerichtet, so als wäre die DIS ein blinder Fleck, was ich nicht verstehe und auch unlogisch ist, aber wahrscheinlich bin ich in der richtigen Richtung unterwegs, weil von innen welche(?) fühlbar sind, die Gewalt nicht als Gewalt sehen oder so und andere, die das befürworten und auch nicht richtig verstehen wieso es überhaupt falsch ist. Jetzt hab ich total den Faden verloren. Also beende ich mal, was auch immer für ein Zeug ich jetzt veröffentliche. Wunsch nach und (Todes)Angst vor(?) Gemeinschaft. Wo kommt das denn jetzt her… oh man.. Schluss jetzt hier. Vielleicht wird’s ja nicht wieder gelöscht.