ein bisschen ist gerad einiges gut

ich hab eine neue hose, in der ich mich SO gut fühle. und man kann sagen was man möchte, aber das erste weihnachten und das erste ostern und alle anderen komischen tage seit dem umzug haben wir wirklich gut gemeistert und nicht wie die letzten jahre in kliniken oder sonst wo mit professionellen (was auch immer dieses wort eigentlich bedeutet) leuten um uns rum, sondern mit uns selbst und herzmenschen, die bei uns sind, weil sie es möchten, nicht weil sie geld dafür bekommen. die letzten tage waren teils schwierig und teils einfach schön und gut und bestärkend. auch wenn stress war, weil es das erste jahr in neuer umgebung (bzw. nicht mehr in alter) ist, ist da auch viel dankbarkeit und mehr freiheit als vorher. ich habe sehr viel gegessen und sehr gut, oft lange und heiß geduscht, sonnencreme aufgetragen (I missed it. a lot!), so viel rumgelegen wie ich wollte, ausflüge gemacht, viel gefühlt, bin barfuß gelaufen, habe eine mini-perspektive und einen baldigen aufnahmetermin in der klinik, (alles schwierige alleine muss ja auch nicht sein). das zu wissen macht schon auch erleichterung, weil ich viel hoffnung darauf habe, dann wieder mehr zugang zu bekommen, mehr verbindung und hier an diesem ort einige wochen nicht sein zu müssen ist sowieso das beste, das es gibt. was danach ist… erstmal nicht wichtig. letzte woche hatte ich das gefühl, ich sei doch stärker und nicht kaputter geworden, weiß nun auch nicht, ob dem wirklich so ist, ob spaltung einfach nur gut funktioniert, ob wir wirklich doch mehr in uns drin arbeiten und wachsen als wir es glauben. ich merke wie viel mut es mir macht und kraft gibt schwierige tage eigenständig gestalten zu können, so dass es sicher ist, und neben allem schwierigem auch gutes sein lassen zu dürfen. weiß aber auch was alles in mir drin so wartet und sich derzeit versteckt hält, weshalb ich nicht in euphorie verfalle. doch so wie manches einfach nicht aushaltbar ist, darf manches auch einfach schön und lebensfroh sein.

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momentaufnahme

ich hetze durch die stadt, merke irgendwann, dass ich immer gestresster werde. stadt stresst, einkaufen stresst, zeitstress, vielleicht auch hormonstress? irgendwann merke ich, dass ich schwitze, irgendwann merke ich, dass die sonne scheint, dass es nach frühling riecht, dass aufgrund all dessen panik herrscht während ich wie so oft im außen nach der ursache suche. immerhin weiß ich, dass die nächsten tage schwierig werden. und während ich mich über den frühling freue, fühle ich gleichzeitig das bedürfnis anderer sich möglichst irgendwo an einem kühlen, dunklen ort zu verkriechen und zu vergessen. weiß nicht wieso und weiß nicht was, aber bin dankbar, das mitzubekommen und nun nicht mehr nur meinen egotrip weiterzufahren, sondern achtsam(er) durch die nächste zeit zu gehen.

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verkehrt

sie sagt, das was ihr auffällt, was sie von anderen dis-patient*innen nicht kennt, ist wie sehr die einzelnen separiert sind und wie wenig kontakt untereinander möglich und wie verboten dieser ist. ich merk, dass der satz irgendwas macht, kann irgendwo tief innen sowas wie panik fühlen, weiß nicht wieso. merke, dass ich mich etwas wundere, weil das für mich nicht auffällig ist, kenn es von mir und auch von vielen anderen betroffenen nicht anders, verstehe gleichzeitig wieso ich vieles bei anderen nicht nachempfinden kann. betroffene. ich mag das wort nicht. weiß gerade kein anderes. an die letzte stunde erinnere ich mich nicht. das wundere sie nicht. ich frage nicht nach was war. auf dem rückweg verschiebt sich etwas, der satz wirkt. die zweifel verkehren sich in wahrheit. das was so oft gründe für zweifel sind (kaum stimmen hören, zumindest ich; nicht das gefühl haben, dass ‘irgendwas schon immer anders war als bei anderen’, das andere mit der diagnose so oft beschreiben; mich eben sogar oft überhaupt nicht in beschreibungen wiederfinden, sondern mich ziemlich gesund fühlen, angst und abwehr vor anderen mit der diagnose während viele in kliniken z.b. erleichtert sind endlich auf “gleichgesinnte” (was für ein doofes wort schon wieder, weiß auch nicht wo da abgesehen von einer diagnose das gleichgesinnte zu finden ist, das wort passt in seiner bedeutung einfach nicht, aber das ist ein anderes thema) zu treffen), sind fühlbar als ein konstrukt, das immer schon dazu dienen sollte, dass ich nicht erkenne was passiert (ist). das, was beweisen soll, dass ich mir alles ausdenke, verkehrt sich in das gegenteil. eine ahnung von dem was nichts anderes als täterschutz ist. ich bin dankbar das fühlen zu können. etwas weniger leugnen und spalten zu müssen. bin dankbar, dass sie etwas erkennt, das nicht erkannt werden darf.

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Schimmern

Heute haben wir uns am Telefon gestritten und das war schön. Ich saß zwischenzeitlich da und war einfach nur froh, ihre wütende Stimme zu hören, weil da endlich jemand war, die mich kennt, die ein bisschen Licht reinbringt, die mir etwas zum Nachdenken gibt, einen Ansatz. Etwas, das ich in mir betrachten kann. Nicht einfach nur Nichts wie seit letztem Jahr bei der neuen Therapeutin.

Obwohl ich schlecht aushalte, dass unsere Meinungen bei einem bestimmten Thema auseinandergehen, obwohl ich nicht weiß, ob ich sie enttäusche, obwohl ich keine Ruhe finde, bin ich froh, dass ich keine Ruhe finde, dass ich üben kann zu vertrauen, dass ich jetzt aushalte, dass wir verschiedener Meinung sind. Ich war selten so froh darüber, gestritten zu haben. Da ist etwas womit ich arbeiten kann, da ist Bindung und Vertrauen.

Da ist wieder Dankbarkeit fühlbar, all diese Jahre mit ihr als Begleiterin gehabt zu haben. Da ist Vermissen und da ist der Preis, den ich gezahlt habe, das aufzugeben, um aus Täterumgebung wegzugehen. Da ist der Schmerz darüber, dass ich dachte es würde sich nicht so lange und auf so vielen Ebenen beinah durchgängig schlimm anfühlen. Ich hatte auf (mehr) Erleichterung gehofft und dass das Gefühl, etwas zu gewinnen da sein würde. Das ist es auch, ganz ganz selten.

Ich möchte mir nicht selbst verzeihen, weil ich das nicht muss, auch wenn es sich so anfühlt als müsste ich. Mir verzeihen, dass es mir nicht gut geht. Mir verzeihen, dass ich die Schritte, die wir in der Klinik gegangen sind, ohne passende therapeutische ambulante Begleitung nicht schaffe weiterzuführen, oftmals nicht mal in meinen eigenen Fußstapfen stehen zu bleiben. Mir verzeihen, dass ich durch so viele destabilisierende Umstände seit Silvester es nicht schaffe, aus dem Überlebensmodus rauszukommen. Mir verzeihen, dass ich oft so dran verzweifle mir und uns nichts sehnlicher zu wünschen als ein ruhiges, sicheres Zuhause, in dem wir uns wohl fühlen und ankommen können. Mir verzeihen, so müde geworden zu sein von all den Kämpfen. Mir verzeihen, es nicht “besser” zu schaffen mit dem Inneren in Kontakt zu kommen. Mir verzeihen, immer wieder aufgeben zu wollen.

Das kurze Gespräch heute hat viel in mir bewegt, was mir umso deutlicher zeigt was es für einen großen Unterschied macht, ob die Begleitung, die wir haben inhaltlich therapeutisch ausgerichtet ist oder alltagspraktisch + Dasein und dazu ob wir in Bindung sind/gehen können oder wo nichts ins Schwingen kommt einfach. Ich kriege es nicht gut hin (wir alle nicht oder nur ich nicht?), mit nicht-therapeutischer Begleitung Innenthemen kontinuierlich anzugehen. Ich möchte mir auch das verzeihen. Und gleichzeitig aber auch die Hilfe annehmen, die da ist. Um wenigstens nicht zurückzugehen, sondern zu halten was ich erreicht habe und wenn sogar das (zeitweise) nicht geht, immerhin nicht unterzugehen.

Ich kann heute das erste Mal in diesem Jahr wieder ein wenig im Hintergrund ein Schimmern fühlen und sehen, das mir bedeutet nicht aufzugeben, weiterzumachen, das Außen nicht mehr so wichtig nehmen, das Innere dafür umso mehr (Aussage der Traumatherapeutin aus der letzten Tagesklinik, die in der ganzen Zeit zusammengerechnet ca. 60 Minuten mit mir gesprochen hat: ich MÜSSE mehr im Außen nach Stabilität suchen und weiter weg vom Inneren kommen. außerdem sofort in “das eine gesunde Erwachsenen-Ich” kommen, sobald es einen Wechsel gibt, bloß nicht ins Kind-Ich oder Eltern-Ich (weiß nicht was das ist) rutschen, bloß keine Regression. nur zwei von vielen Aussagen, die sie getätigt hat. Nach dem Aufenthalt musste ich mich so davon überzeugen, nicht falsch zu sein). Mich ernst nehmen damit, dass es an Kontinuität fehlt in der Behandlung und gleichzeitig damit, dass ich nicht so hilflos bin wie ich denke. Mich als “Wir” ernst nehmen, die trotz Therapiebedarf durch diese Zeit kommt und das nicht nur halbtot, sondern lebendig. Müde, erschöpft, immer wieder am Rande des Möglichen, aber eben nicht so hilflos wie es sich oft anfühlt. Ich glaub, das hab ich heute mitgenommen. Das erste Mal auch in diesem Jahr, dass da nicht nur Suizidalität ist oder eine Pause, eine Ablenkung von dieser, sondern etwas, das ich daneben stellen kann. Die leise Hoffnung, dass, selbst wenn ich zurückfalle und weit weg vom Inneren komme, nicht mehr ganz so lange brauche, um wieder näher zu kommen. Weil es vielleicht nicht verloren gegangen ist. Weil vielleicht Spaltung gerad wieder stärker ist, teilweise gefühlt auch neu geschieht, aber das nicht heißt, dass alles was wir uns erarbeitet haben an Substanz verliert. Wir können neue Schäden davontragen, wir können weit weg von uns kommen, wir können uns in uns zum Schutz verbarrikadieren, aber wir verlieren nicht alles an unserer Substanz.

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irgendwie weiger ich mich ja zu akzeptieren dass das hier jetzt wirklich uns alle so auf den boden schmeißt. ich glaube dass wir in uns drin so stark sind, richtig stark. manchmal denk ich dann so wenn einer so stark ist übersieht er aber auch verletzungen und sieht bestimmt gar nicht dass was schlimm ist. deshalb könnte man einen kompromiss machen vielleicht. jetzt haben wir ja erkannt wir das für uns ist, das ist wichtig und dann können wir was ändern und trotzdem aber nicht ganz am ende sein sondern auch vertrauen dass wir schon einen besseren schutz um uns haben, so dass es sich schlimm und schmerzhaft anfühlt, aber es geht nicht durch den schutz noch so durch wie so vor manchen jahren. wir sind ja gaaaaanz anders in uns inzwischen. woher soll einer denn wissen ob man gerad so stark ist das man verletzungen so unterschätzt? vielleicht mal mit meiner alten therapeutin sprechen, ihr so berichten von uns als wären wir selbst eine patientin und fragen was ihre einschätzung ist. das machen wir. mehr weiß ich noch nicht.

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rock bottom

ich habe mir heute zugestanden die erlebnisse mit den helfersystemen, in denen wir uns seit einigen monaten befinden, als retraumatisierend zu bezeichnen. ich habe mir erlaubt mir einzugestehen und anderen menschen zu schreiben, dass meine kraft zu ende ist. am wenigsten (akute) hilfe kommt von der neuen therapeutin, bei der ich die therapie nicht weiterführen werde. ich konnte heute in meinem sein fühlen wie innerlich schäden entstehen, wie kaputt ich hier gehe. ich hab mich das letzte mal in so einem überlebensmodus befunden kurz bevor ich damals umgezogen bin und mich in sicherheit brachte, als gewalt noch alltäglich und immer verbunden mit amnesien war. erst als ich diese verbindung zu dieser zeit bekam habe ich verstanden, dass wir derzeit anders spalten als sonst. es sind nicht einfach nur welche abgetaucht, weil es zu schwierig ist.

ich versuche zu sehen was trotzdem anders ist. versuche zu fühlen.. weiß nicht genau was. würde gern etwas positives sehen, fühlen, an all dem hier. in all dem. frage mich, ob ich wirklich am ende bin, ob es sich “nur” so anfühlt. weil es schließlich immer funktioniert, das leben und ich, egal was passiert, ist die antwort darauf zu finden nicht so einfach. wann ist dieses immerfunktionieren ein schädigendes, wann ein stärkendes? was heißt ichkannnichtmehr überhaupt, also was bedeutet das im praktischen? ich glaube es bedeutet, dass ich das durchhalte und wenn es vorbei ist, muss ich es aufarbeiten. weil durchhalten eben immer drin ist und die frage nach dem preis nicht zu stellen ist, wenn es keine anderen optionen gibt gerad, keinen ausweg aus der situation. es bricht mir das herz, wenn ich an all die innen denke, die ich in sicherheit bringen wollte mit dem umzug. und auf gewissen ebenen hat das ja auch geklappt. und es ist äußerlich auch sicher, auf körperlicher ebene. ist es nicht, schreit mich jemand an. ist es nicht. und doch anders, weniger, geringer als noch vor 5 jahren. wir sind nicht mehr in täterumgebung. das haben wir geschafft. zu welchem preis? ich dachte, ich schaff das. weggehen, keine therapie, wird schon. und es war auch notwendig. ich dachte nicht, dass der großteil des rests hier so schlimm sein würde. ich dachte mit guten anderen hilfen schaff ich das bis ich einen therapieplatz finde. aber ich hab mir heute zugestanden wie schlimm es ist und dass das wenige gute das schädigende nicht weniger schädigend macht, danach habe ich stundenlang geweint. und das fühlt sich nach einem ersten schritt an, um einen ausweg zu finden und uns hier wegzubringen. ich frage mich, ob es eine möglichkeit gibt das hier ohne diesen überlebensmodus zu schaffen und innerlich wieder in kontakt zu kommen, damit die schäden nicht noch mehr werden, weiß nicht, ob es für andere innen zu viel wäre. möchte das manchen auch nicht antun. fühle zwischendurch wie innen welche tätersätze, (von denen ich eigentlich null ahnung habe) bestätigt sehen, chaos und panik… was doch heißt, dass es nicht so ist wie vor 5 jahren. was doch heißt, dass die spaltung nicht komplett ist. und ist das was gutes, was schlechtes? ich weiß es nicht. irgendwas hat sich während des schreibens verändert. zu nah an irgendwas dran, deshalb hier ende vom text.

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rechnung

Den ganzen tag suche ich nach unterkünften weit weg von hier. ich hab ein bild im Internet gesehen und dachte, da sieht’s schön aus, mich sofort auf die suche gemacht. irgendwann merk ich, dass was nicht stimmen kann. altes muster, reisen wie im automatismus. seit mittwoch so stark gespalten. gestern sag ich “ich vermisse [die stadt, in der ich vorher wohnte]“. sage etwas später, mir geht’s besser seit ich weggezogen bin. bemerke den widerspruch. kann das heute dazubuchen, einordnen. kann dazubuchen, dass selbstverletzungsdruck und retraumatisierungsdruck auch in all das passen. keine reise also. habe mit einem freund telefoniert der noch dort wohnt, in der ehemaligen stadt. falle irgendwo rein, weiß nicht wo rein. fühle mich abgeschnitten und einsam, buche auch das hinzu. bin müde vom kämpfen, informiere mich über sterbehilfe ohne zu wissen wieso genau. buche auch das hinzu. möchte die bestellten bücher lesen, möchte lesen was bei in der letzten zeit andere so geschrieben haben, was ich so finde an Aufzeichnungen, suche stattdessen nach unterkünften, höre damit auf, kann nichts anderes machen als die bücher anzusehen, kann sie nicht in die hand nehmen, sitze auf einer stelle. kann kaum denken. buche all das hinzu. kann es hinzubuchen, kann mit irgendeinem teil in mir das muster erkennen. frage mich wie viele schichten von mir ich abschälen muss, um mich selbst sehen zu können. frage mich woher ich wissen soll was und wer ich wirklich bin und wo sich mein wirkliches ich vielleicht in all den auferlegten schichten mit reingemischt hat. wenn es so einfach wäre: da war ich mal (oder auch nie wirklich, das weiß ich nicht), da wurde mir eine rolle zugewiesen, das ist ganz deutlich zu trennen von mir als person, also muss ich es nur wieder von mir lösen, an der trennungslinie, klar und deutlich zu sehen. so einfach ist es nicht. ich bin mitgewachsen, ein gehirn und eine seele entwickeln sich, verändern sich, bleiben nicht gleich. wenn ich also versuche wegzulassen was ich nicht bin, die schichten löse, woher weiß ich, dass ich nicht auch mich mitlöse und weglasse? ich sehe das so: eine konditionierung wirkt erstmal wie ein computerprogramm, statisch. ein mensch wächst. sie verfestigt sich beim wachsen. der mensch ist aber kein computer, ein mensch ist nicht statisch und das macht es möglich, die schichten zu entfernen, wenn ich mir ihrer gewahr werde. wo sind wir ineinander verwachsen? wer bin ich und was ist meine vorgesehene rolle? es ist das was wir ganz tief in uns bewahrt haben, die Wahrheiten, die wir so tief in uns verstecken mussten, dass nicht mal wir selbst sie fühlen durften. jetzt dürfen wir es. sagt sich einfach. bringt eine menge an chaos, ängsten und symptomen mit sich. denke ich. buche die letzten tage dazu. sage mir, ich will bereit sein.

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winter

bisschen zeit ist vergangen. abschied lief so nebenbei, stattdessen wollten andere themen hallo sagen. und dann standen wir davor wie das zusammenhängt mit familie und tätergruppierung, vor eigener täterschaft, vor so vielen mutigen in uns drin, die sich über verbote hinwegsetzen und aushalten was da an symptomen auf uns einprescht. usw. usf. der umzug hat innerlich so viel losgetreten, was gut ist. Schlecht ist, dass es ambulant doch nicht so gut passt und wir das alleine alles eher geht so aufgefangen bekommen. therapiesuche erscheint weiterhin eher aussichtslos, aber wir haben das 1. weihnachten alleine geschafft, wir haben silvester mit viel spaltung und freunden geschafft, wir leben noch, kriegen dafür massiv strafen, aber irgendwie ist aufgeben nicht drin, obwohl druck in einige richtungen beinah 24/7 vorhanden ist. ich wünsch mir für uns, dass wir lernen dürfen, dass wir kein mensch unterster stufe sind. und dass die, die so leiden unter einem gewaltfreien leben das nicht mehr selbst herbeiführen müssen und einen weg finden damit umzugehen. und dass all die, die sich nur ein nicht-existieren (nicht aktives sterben) wünschen, das in irgendeiner form bekommen, die hier im leben stattfinden kann.

wir wollen einfach nur sein dürfen. und jura studieren, um als anwalt im Kinderschutz zu arbeiten, ist innen jetzt auch so ne wahnwitzige idee.

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abschied nehmen

ich weiß wie abschied geht. hatte schon so viele. die letzten gemeinsamen wochen waren wirklich schön und besonders, wir haben die zeit genutzt, um schöne erinnerungen zu schaffen. heute sage ich “es hat sich ganz schön viel angestaut seit dem umzug“ und er antwortet “ach, echt?“ und wie so oft wundere ich mich darüber wie gut ich doch nach außen funktioniere. jedenfalls weiß ich wie abschied geht. das gute am ende überwiegen lassen. dankbarkeit über den schmerz setzen, um es aushaltbar zu machen. gefühle nicht verdrängen, sondern zulassen. innerlich verbindung halten. ich hatte damals gesagt “wenn ich jetzt meine familie loslasse, dann sind sie da, aber wenn ich dann in einigen jahre gehe, wird niemand mehr da sein“. ich weiß wie abschied geht, und trotzdem fühlt es sich unaushaltbar an. ich weiß, dass es richtig war und frage mich doch, ob sich der preis, den ich zahle, lohnt. ich versuche mir weiter zu glauben, ich versuche (an) uns weiter zu glauben. ich habe das gefühl an der einsamkeit zu ersticken, mein hals fühlt sich an als würde er anschwellen, versuche zu differenzieren, ob es das fehlen meiner familie ist oder das der helfer:innen, das sich nach sterben anfühlt, um rauszubekommen, ob strafen und konditionierung greifen, ob jemand flashbacks hat oder ob es gegenwartsbezug gibt, es vermischt sich, ich kann nichts differenzieren, erstmal auch egal, abschied und vermissen triggert in beiden fällen altes an und wir brauchen in beiden fällen unterschiedliches in zweiter linie, in erster linie trost. oder andersherum?
freund:innen sind da, teils treffen wir uns, teils übers telefon, teils über messenger und doch ist das nichts, das es wirklich besser macht. wir können das nur in uns prozessieren. manchmal tut es so weh, dass ich nicht mehr weiß wohin mit mir, frage mich wie es sein kann, dass die seele so schmerzen kann. ich weiß, es ist gut, dass ich wieder weinen kann, das ist besser als nur zu funktionieren. bald geht es in die klinik, safe space für uns, und hoffentlich ein ort, um zu trauern, um zuzulassen, um wieder lebendig zu werden. ich weiß, es geht nicht nur um helfer:innen und familie (das sind schon so verschiedene fraktionen), sondern auch um den schmerz  täter:innen aus anderen kontexten loszulassen, innen fangen welche an zu realisieren, dass wir weg sind. ich weiß nicht wie groß dieser schmerz ist, ich kann’s nur erahnen, weil ich wusste wie es war als ich realisiert habe, dass so viel meines lebens konstruiert war, diese mischung aus verlust und realisieren, das bringt einen beinah um.

wir haben eine therapeutin gefunden. und wir glauben, sie könnte so ein mensch werden, den wir dann gefunden haben werden. weil wir gut drin sind, die für uns richtigen menschen zu finden und uns einzulassen. egal wie groß der schmerz des abschieds ist, das hat uns noch nie dran gehindert bindung wieder neu einzugehen. und ich bin dankbar, dass da menschen waren, die mit uns in bindung gegangen sind. ich versuche mir zuzugestehen, dass wir uns zeit und raum geben dürfen, um zu trauern. es ist auf helfer:innenebene so viel neue bindung, wir müssen einen schritt zurücktreten und abschied nehmen. ich glaube, die klinik wird dafür ein guter ort sein. ich habe fürchterliche angst davor.

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rausgefallen

wir sind gecrashter als vorher angenommen. es war klar, dass es schwierig wird das ganze helfer- und soziale netz hinter uns zu lassen. ich dachte, die therapeutensuche wird bisschen einfacher. nach ca. 70 absagen weiß ich nicht mehr weiter. eine probatorik läuft, zwischenmenschlich eher fraglich. eine andere, auch unsicher. ich weiß, dass es dort wo wir waren nicht mehr ging, ob wir jetzt gegangen wären oder in einem jahr, auch dann wäre kein therapieplatz sicher gewesen, diejenigen, die ich anfang des jahres kontaktiert hatte und jetzt wieder, haben auch immer noch keinen platz und keine warteliste. wir versuchen uns festzuhalten an musik, schwimmen, fahrrad fahren, aber vielleicht kann ich auch alles nicht gut einschätzen, weil ich emails von anderen lese, denen es anscheinend leichter fällt als mir. meine familie fehlt mir, ich versuch jetzt seit jahren loszulassen, aber ich krieg das leben, das ich hatte, nicht aus meinem kopf, egal wie oft ich mir sage, dass es nur ein teil meines lebens ist.
es gibt für mich 3 optionen. zurück zu meiner familie. suizid. mir hier ein leben aufbauen. ich weiß, nummer 1 wäre ein einziger spaltungsprozess und leugnung. ich weiß, zwei möchten nicht alle und ich eigentlich auch nicht. und somit bleibt 3. die ersten beiden wochen nach dem umzug habe ich funktioniert ohne ende, und inzwischen denke ich 24/7 an suizid. ich versuch zu fühlen wie es denen geht, die froh sind weg zu sein und die daran glauben, dass wir es schaffen, aber ich lese nur davon und die spaltung scheint größer zu sein als vorher, kaum kontakt möglich. ich bin müde davon, dass gefühlt jeder schritt hin zu einem freien leben belegt ist mit konditionierungen oder programmen. ich bin müde davon rauszubekommen, ob das jetzt so etwas ist oder eine ganz normale depressive phase aufgrund eines umzugs. ich weiß nicht, ob es egal ist, ich fühle mich zu schwach, um da alleine hinzusehen und ich weiß, anders geht es nicht. ich kann nicht realisieren, dass ich nicht mehr jede woche zu unserer therapeutin fahre, es war klar, dass es kommen wird, wir waren noch einmal nach dem umzug in der alten umgebung, es wurde deutlich, dass es keine option ist, da noch ab und zu hinzufahren. ein durcheinander-satz. so klar es war, dass wir nicht mehr lang hinfahren werden, so wenig klar war es, dass es einfach gar nicht möglich sein wird. und so klar es war, dass der abschied naht, so wenig klar war es im herzen. sei es in bezug auf unsere therapeutin oder frau x, die uns auch von anfang an begleitete. wir dachten nicht, dass wir beide gleichzeitig loslassen würden.
wir sind jetzt hier wo viele von uns immer leben wollten und das schöne ist nicht spürbar, erleichterung ist nicht spürbar. das von dem ich dachte, was auf jeden fall spürbar werden würde, fehlt: es fühlt sich nicht falsch an. ich glaube viele innen wissen, dass es keine möglichkeit mehr war, in der alten umgebung zu bleiben, nicht mehr ein jahr und auch nicht mehr zwei. und dass die konsequenz aus dem eben ist, dass wir unsere therapeutin und auch frau x loslassen müssen – sie sind eben dort wo wir nicht heilen können. es besteht noch telefonkontakt, wir sind nicht komplett ohne unterstützung und doch fühlt es sich nicht ausreichend an.
ich fühle mich einsam, fühle wie leer mein leben geworden ist. soziale kontakte fehlen mir sehr. ich bin es nicht gewohnt so viel alleine zu machen. und bin traurig darüber.
es gibt schlimmere situationen und es ist wahrscheinlich notwendig all das zu realisieren: wie ich mir mein leben vorstellte im jetzigen alter und wie es aussieht. wirklich abschied von der herkunftsfamilie nehmen und abschied davon, jemals eigene kinder zu haben. zweiteres schmerzt mehr als ich es mir selbst eingestehe.

es ist keine basis mehr da. es gibt keinen ort, an den ich zurückgehen könnte. jemand schrieb, es sei wie ein freiflug, befreiend und haltlos zugleich. das befreiende fühle ich nicht, ich fühle nur das was ich verloren habe. frage mich wann ich verstehe, dass das mein leben ist, das voller gewalt war. und das befreiende somit auch auf mich zutrifft.

ich erinnere mich an mich selbst und wie gut ich auf andere zugehen kann. gerade frage ich mich was davon übrig geblieben ist. ich möchte mir etwas aufbauen, und ich bin so müde, dass zwei sätze mit fremden menschen mir kraft abverlangen, die ich gefühlt nicht habe. ich habe so viel angst vor einsamkeit und jetzt fühle ich wie einsam mein leben geworden ist. ich wollte immer in gemeinschaft leben und meine große familie war mein garant dafür, dass das auch immer so gewesen wäre. ich weiß, dass ich gleichzeitig immer meine eigene gemeinschaft haben wollte, irgendwelche andersdenkenden menschen, die die welt verbessern. es ist nicht zu spät dafür, das weiß ich. mein kopf weiß das. mein kopf weiß das. ich weiß nur nicht, ob es jemals ein ankommen wird.

jemand schrieb, wir müssten jetzt das erste mal wirklich nur für uns gut zu uns sein und dass uns kein grund einfällt warum wir das tun sollten. wir gehörten nicht auf die stufe von menschenleben, die unversehrt blieben, das fühle sich falsch an und leer an, nicht normal, vielleicht sollten wir rettungssanitäter in der nacht werden oder irgendwas, das über eine grenze gehe.

ich fühle das ein bisschen nach. nicht das mit dem nichts antun, nur das grundlose. ich sehe keinen grund, um zu existieren. ich weiß nicht wie ich loslassen kann. ich weiß nicht wie ich weiter kontakt zu freund:innen halten kann. ich habe heute gedacht, ich muss mich beschäftigt halten, einfach beschäftigt halten. ich denke, dass ich nicht so ein mensch sein möchte, der aufgibt. ich möchte nicht so eine sein, die so abhängig ist von therapie, dass sie es nicht schafft. ich dachte, ich möchte nicht wie meine mutter sein, die ein halbes jahr in der klinik ist und am tag der entlassung schon wieder trinkt. ich dachte vor zwei wochen, dass ich sie nie wiedersehen werde,dachte es das erste mal mit ein wenig realisieren dabei. ich habe gelesen, dass andere innen beinah an der schuld ertrinken aus täterumgebung weggegangen zu sein. ich habe mitbekommen, dass jemand freudig tretbootfahren war und glücklich war, weil sowas in der alten umgebung nicht möglich war, weil wir uns nicht frei bewegen konnten. ich habe gedacht, 6 monate durchhalten. ich habe gedacht, wem soll ich das sagen, das es letzte nacht eine selbst herbeigeführte retraumatisierung gab. dass ich es wieder nicht schaffe aufzupassen. nach so kurzer zeit. wann nimmt das ein ende und wann wird es ruhiger. ich habe gedacht, ich fahr in die klinik, ich lass jemanden aufpassen und habe angst vor den schreienden menschen. ich habe gedacht, ich nehm heute nacht bedarf und mach es dann wie immer doch nicht, weil ich denk, es wäre ein weglaufen. ich hab gedacht, es ist gut, dass es selbstständig abgebrochen wurde und auch die selbstverletzung. ich schäme mich und fühl mich schwach und ich weiß nicht was aus mir geworden ist.

ich hab mich zu einer veranstaltung mit anderen menschen angemeldet. ich geh nächste woche das erste mal zum sport. ich hab eine ergotherapeutin gefunden, die sich mit dis auskennt. ich hab eine körpertherapeutin angerufen, ich ruf jede therapeutin an, die nur im ansatz irgendwas mit trauma irgendwo stehen hat. ich war bei einer neuen frauenärztin, ich hab eine neue hausärztin, psychiater, orthopäde, physio, die außensachen laufen wie immer, egal wie es innen aussieht. vielleicht lauf ich zu viel weg, habe zu viel angst, wechsel in jemanden, die ich nicht kenne, die sagt, man könne hier niemandem trauen und überall liefen fäden durch die luft, die das bewusstsein verändern, ob klinik und neuroleptika helfen, aber nur in der alten umgebung, nur dort könne man den ärzten trauen. und ich denk, ich spiel das nur, ich google 100 mal die diagnose, seit jahren, ich frage mich, ob sich so viele jahre lang so viele fachleute irren können, ich vergleich mich, ich schiebe fehlende amnesien darauf, dass es nicht stimmen kann und nicht auf therapiefortschritt, ich suche hoffnung darin, dass all die gewalt nicht passiert sein kann, wenn die alltagsamnesien nicht so ausgeprägt sind und auch nie waren, ich höre wie meine therapeutin und frau x sagen, ich hätte zig amnesien gehabt und hätte sie weiterhin und dass es im vergleich zum anfang der therapie weniger seien nenne sich co-bewussstein, eigentlich höre ich sie gar nichts mehr sagen, weil sie keine lust mehr auf die diskussion haben.

ich möchte dankbar sein, dass wir die beiden hatten. und ich bin es. ich bin dankbar. ich glaube, dass die letzten jahre vielen von uns das erste mal gezeigt haben, dass ein anderes leben möglich sein kann. ich erinnere mich, nein, erinnere mich nicht, aber habe es in meinem tagebuch gelesen, dass vor 15 jahren eine psychologin gefragt hat, ob ich das gefühl hätte, dass da noch andere in mir wären, habe ich verneint, wusste ich auch nicht. und wie vor etwa 10 jahren eine andere traumaspezialisierte klinikpsychologin mich gefragt hat, ob die stimmen von außen oder innen kämen. ich antwortete mit “außen”, war mir doch klar, dass sie nicht zu “mir” gehörten, sie erklärte es nicht weiter und somit war ich offiziell in einer psychotischen phase. es kamen andere therapeut:innen, alles ähnlich. und nochmal jahre später traf ich auf einer psychiatrischen akutstation unsere jetzige/ehemalige therapeutin. dort wo man niemanden erwartet, der sich auskennt. ein paar monate später kam frau x dazu, auch an einem ort, der zunächst nicht passend erschien.

mir wurde in den letzten jahren immer wieder gesagt, ich würde die richtigen menschen finden. weil es wirklich so ist inzwischen.

im herbst/winter ist nochmal klinik geplant. ich halte mich beschäftigt.

ich bin jahrelang kaum alleine rausgegangen, und wenn doch, dann nur mit engmaschigen telefonkontakten. zwei jahre lang wäre sofort die polizei gerufen worden, wäre ich nicht wieder nach hause gekommen. mein handy und laptop war jahrelang nur stundenweise zugänglich, ich vergesse all das. und was wir jetzt hier leisten, das ist nicht das leben, das ich mir vorgestellt hatte, aber es ist mehr als für viele innen jemals denkbar gewesen wäre. das was wir jetzt für ein leben haben, manche wussten und wissen ja immer noch nicht mal, dass es sowas überhaupt gab und gibt. ich darf nicht vergessen, dass ich dazugehöre, auch wenn mein kopf sich weigert das zu glauben, egal wie viele fremde schriften, videos und sonst was ich sehe.

in den letzten jahren bin ich angekommen und wusste, ich kann nicht bleiben.
jetzt möchte ich gehen, aufgeben, bin müde. wir haben einen überlebensvertrag gemacht vorm umzug. es ist komisch, dass absolute ruhe ist seit dem umzug. direkt vorm umzug war plötzlich so viel kontakt nach innen möglich, und ich habe das im gegensatz zu anderen nie. ich dachte, das würde bedeuten, es sei endlich erlaubt, weil klar ist, dass wir weggehen. und seitdem wir weg sind, ist absolute ruhe, ich kann nicht lesen was wir alles erarbeitet hatten und die zeit schrumpft zusammen. während ich verzweifelt werde, weil der prozess vorher so gut war und ich keine zeit verlieren möchte, gebe mich mir keine zeit, um überhaupt wieder in den/einen neuen prozess zu kommen. vergesse, dass es unter todesdrohung verboten ist wegzugehen, wundere mich warum nicht wie angekündigt irgendwas an programmen startet und frage mich, ob ich nicht schon mittendrin stecke. als wäre es immer so eindeutig und die suizidalität ruft einem zu “hey, hallo, ich bin ein programm, ich sag es mal, damit du es einordnen kannst und rausfinden wo ich hingehör”. lese den überlebensvertrag und frage mich wer da alles so gut schon wusste was auf uns zukommen würde. erinnere mich daran, dass immer alles besser war, wenn wir mehr in kontakt waren, wie kleine andere kleine beruhigen konnten. erinnere mich daran was der umzug auch bedeutet: das zugestehen, dass es nicht klappt. dort. es ist wirklich vorbei. wir konnten nichts mehr retten. es gab dort nichts mehr zu retten. das tut unendlich weh.

und dass, wo wir dort weg sind, nicht weniger spaltung ist, sondern (erstmal) mehr, ist vielleicht das zeichen dafür, dass wir verbote durchbrochen haben.


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